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Ecce virgo concipiet! | Siehe die Jungfrau wird ein Kind empfangen!

nach Jes 7,14 und Mt 1,23

Gleich zweimal kommt die Darstellung zu dem Jesajawort in unserer Stadtpfarrkirche vor. Am Anfang zur Kanzel als unterstes Bild und im Glasfenster Maria im Alten Testament.
Der Evangelist Matthäus zitiert es bei der Geburt Christi und macht deutlich, dass Gottes Heilshandeln in der Welt erfahrbar ist.

Jesaja warnt König Ahas sich auf weltliche Macht und sein Verhandlungsgeschick mehr zu vertrauen als auf Gott. Im Kern spielt Gott für Ahas keine Rolle mehr, ein leerer Kult, der für seine Machtpolitik keine Bedeutung hat.

Aber Jesaja erinnert, dass Gott nicht mit größerer Macht dreinschlägt und die Spirale der Gewalt weitertreibt, sondern ganz fein und nachhaltig wirkt. Ein wehrloses Kind kündigt der Prophet an. Der Evangelist Matthäus zitiert diesen Vers um deutlich zu machen, dass in Jesus Christus unser aller Erlöser geboren wurde. Alle Machterweise und alle Stärke wird in der menschlichen Machtlosigkeit und halbstarkem Getue entlarvt.

Am Aufgang zur Kanzel sollte sich der Prediger bewusst sein, dass es nicht darum geht Macht und Stärke zu verkünden, auch nicht die Macht der Kirche. In der Verkündigung muss es immer darum gehen, die Botschaft von Gottes Liebe in der Ausweglosigkeit der Welt zu verkünden und so den Menschen eine neue tragende Perspektive zu geben.

Die Situation für den Propheten vor dem König von Juda, kann unserer ganz ähnlich sein. Viele Zeitgenossen erwarten den Erfolg von ihrem eigenen Geschick und verlieren dabei Gott aus dem Auge.

Als Kirche, als Gemeinschaft von Gläubigen geben wir in unserer Welt Zeugnis von diesem Gott, der menschlicher Gewalt mit der Zärtlichkeit der Liebe begegnet. Die beiden Bilder laden uns ein das zu verinnerlichen.

Krönung Mariens

Figurengruppe vom ehemaligen Marienaltar der Franziskanerkirche

Die Figurengruppe war früher am Marienaltar der Franziskanerkirche. Man darf es ein außerordentliches Kunstwerk nennen. Meisterhaft sind die Gesichtszüge und die Linien bis hinein in den Faltenwurf der Gewänder gestaltet. In der Mitte ist Maria, die betende Magd des Herrn. Umrahmt von ihrem Sohn und Gott Vater. Der Heilige Geist fehlt unserer Gruppe. Sicherlich war er am Altar in Form einer Taube über dem Geschehen der Krönung wie wir es auch im davon inspirierten Hochaltar der Stadtpfarrkirche sehen oder auf dem Tympanon des mittleren nördlichen Portals von Notre Dame in Paris.

Die Darstellung entwickelt sich aus der Liturgie des Festes der Aufnahme Mariens in den Himmel: „Veni electa mea“ (Komm, meine Auserwählte), so betet die Kirche im Responsorium. Der Psalm 45 (44), geistliche Liebeslyrik, steht hier im Mittelpunkt. Heute heißt es im Eingangsvers zum Hochfest: „Großes wird von dir gesagt, Maria: Der Herr hat dich erhoben über die Chöre der Engel in seine Herrlichkeit.“

Im Tod Mariens und ihrer Aufnahme in den Himmel erhält sie die Krönung ihres Lebens. Sie erfährt, was wir für uns alle erhoffen: Unser Leben wird von Gott angenommen und wir dürfen teilhaben an seiner Herrlichkeit.

Im 14. Jahrhundert verbreitet sich die Darstellung, dass Maria vor Jesus oder der göttlichen Dreifaltigkeit kniet und die Krone empfängt. Der Mensch kann sich nicht selbst erlösen, Gott ist es, der Gnade und Erlösung schenkt. In Maria sehen wir die tiefste menschliche Sehnsucht erfüllt.

Wenn wir auch den Namen des Meister nicht kennen, so begegnet uns eine weitere Figur aus seiner Hand in der Stadtpfarrkirche: Johannes der Täufer in der Taufkapelle (um 1500)

Das Fest Maria Königin wurde von Papst Pius XII. eingeführt zum Abschluss des Marianischen Jahres 1954 (Hundertjahrfeier des Dogmas von der Unbefleckten Empfängnis). Der Gedenktag wurde zuerst auf den 31. Mai (Schluss des Marienmonats) festgesetzt; im neuen römischen Kalender wurde er auf den 22. August den ehemaligen Oktavtag von Mariä Himmelfahrt, verlegt.

Die Fassung der Figuren ist neuer, es wäre sicher spannend wie die Farbegestaltung im Original war. Heute korrespondiert das Rot zwischen Jesus und seiner Mutter während es sich beim Vater im Purpur auflöst. Für Maria wäre sicherlich die Farbe blau anzunehmen.

Wer in den vatikanischen Museen die Darstellung Raffaels in dem großen Altarbild (um 1503) betrachtet, sieht den Zusammenhang: Während die Apostel um den leeren Sarkophag stehen aus dem Blumen hervorschauen, wird Maria im Himmel von Jesus gekrönt. Ähnlich stellt es auch Albrecht Dürer um 1510 in einem berühmten Holzschnitt dar.

Im barocken Hochaltarbild, das heute in der Franziskanerkirche hängt, fehlt die Krönungszene. Hier sind es die Engel, die Maria dem Licht entgegentragen, während die Apostel um den leeren Sarkophag stehen.

Erlösung ist ein Geschenk, das ich mir nicht verdienen kann, sondern es erfahre, wenn ich offen bin für Gottes Zuspruch. So greift Maria auch nicht nach der Krönung, sondern empfängt. Wenn wir in unserer Zeit gewohnt sind alles in die Hand zu nehmen und zu gestalten, ist das ein Gegenentwurf dazu: Geschehen lassen und erfahren.

Blick auf den Hochaltar

der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt

Aufnahme Mariens in den Himmel

Für den barocken Hochaltar unserer Stadtpfarrkirche schuf der bekannte Barockmaler Johann Gebhard 1711 das Bild der Himmelfahrt Mariens, das seit dem 19. Jahrhundert mit anderen Bildern in der Franziskanerkirche hängt, weil es bei der Regotisierung der Stadtpfarrkirche keinen Platz mehr darin fand.

Es ist ein glorioser Zug in den Himmel, gleichsam beschwingten Schrittes tragen Engel die Gottesmutter empor, Gott selbst entgegen. Die Apostel stehen um das Grab und sehen es mit Blumen und Blüten gefüllt. Sie sehen die Zeichen und beginnen anfanghaft zu begreifen, dass die Erlösung in Maria volle Wirklichkeit geworden ist.

Es ist das Fest unserer eigenen Zukunft. Maria ist das Urbild der Kirche und des Glaubens. In Maria feiern wir, was wir für uns alle erhoffen. Einmal ganz bei Gott zu sein. Nicht nur etwas an uns wird erlöst, sondern in der Darstellung der leiblichen Aufnahme Mariens wird betont, dass der ganze Mensch mit seiner Leiblichkeit von Gott erlöst wird. Die Lebendigkeit und die Erfahrungen des Menschen sind keine reinen Geisteserfahrungen, sondern wir leben und erleben mit dem Leib, der uns von Gott geschenkt ist.

In der Ostkirche heißt das Fest Entschlafung oder Tod Mariens. Im Tod gehen wir hinüber zu Gott. Ohne die Dimension des Raumes ist auch die der Zeit überwunden, hinein in die Ewigkeit bei Gott.

Zurück bleiben die Blüten, die Schönheit und Pracht der Schöpfung Gottes, die uns anvertraut ist. Deshalb segnen wir die Blumen- und Kräuterstraße an Mariä Himmelfahrt und erinnern uns an Gottes Zeichen inmitten unserer Welt.

Still zu werden vor dem Geheimnis der Schöpfung und unserer Erlösung heißt ganz tief im eigenen Dasein Gottes Gegenwart zu spüren. Das Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel, in die grenzenlose Liebe Gottes, macht uns Mut selbst diesem Ziel entgegen zu gehen.

Reparatur Ortgang am Presbyterium

durch die Feuerwehr Kelheim und Rudolf Wilfahrt